Grundlagen

Ist dies eine Apotheke oder ein Restaurant? Ist er Koch oder Arzt? Fisch, Fleisch oder Gemüse: köstliche Gerichte verbannen Tabletten und Pillen, nahrhafte Speisen sind das Mittel gegen alle Leiden. (Chinesisches Gedicht unbekannter Herkunft).

Als „5-Elemente-Lehre“ wird bei uns im Westen eine chinesische Ernährungslehre bezeichnet, die um ca. 300 v. Chr. entstanden ist.

Eigentlich handelt es sich dabei um einen Teilaspekt der Traditionellen Chinesischen Medizin und beruht auf einem kosmologisches System, das auf Naturbeobachtungen im Wandel der Jahreszeiten sowie der Zuordnungen von Ähnlichkeiten basiert.

 

Doch was genau sind überhaupt die „5 Elemente“?*

*Korrekterweise müsste man eigentlich von „Wandlungsphasen“ sprechen, obwohl in unserem Sprachgebrauch die Bezeichnung „Element“ verbreiteter ist. Ich verwende daher weiterhin diese Bezeichnung.

Die Fünf Elemente sind: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Eigentlich handelt es sich dabei nicht um „Elemente“ im eigentlichen Sinne, sondern eher um Qualitäten. Jede dieser fünf Qualitäten wird unter anderem einer Jahreszeit, einer Tageszeit, einem Lebensabschnitt, einem Organ, einer Farbe, einem Geschmack usw. zugeordnet.

Eine grobe Übersicht bietet die folgende Tabelle:

ElementHolzFeuerErdeMetallWasser
JahreszeitFrühlingSommerSpätsommerHerbstWinter
TageszeitMorgenMittagFrüher NachmittagSpäter NachmittagNacht
Farbegrünrotgelbweißschwarz
Geschmacksauerbittersüßscharfsalzig
WettereinflussWindHitzeFeuchtigkeitTrockenheitKälte
EmotionZornFreude, LustGrübeln, MelancholieTrauerAngst
VollorganLeberHerzMilzLungeNiere
HohlorganGallenblaseDünndarmMagenDickdarmBlase
ÖffnerAugenZungeMundNaseOhren
GewebeSehnen, NägelGefäße, NervenMuskelnHautKnochen, Zähne, Haare
LebensphaseKindheitJugendalter/PubertätErwachsenenalterFortgeschrittenes AlterGreisenalter
Der „nährende“ Zyklus

Des Weiteren bringt ein Element das nächste hervor (sog. „nährender Zyklus“), wodurch nährendes „Qi“ entsteht. Unter „Qi“ wird eine Art Grundenergie verstanden, die im Deutschen kein Äquivalent hat und deshalb meistens mit „Lebensenergie“ o.ä. übersetzt wird.

Hat der Körper ausreichend „Qi“, ist er gesund und kräftig. Fehlt ihm „Qi“ oder hat er zu viel davon, wird er auf Dauer krank.

Grundprinzipien der chinesischen Diätetik

Alles in der Natur unterliegt einem ständigen Wandel: der Same keimt in der Erde, wächst heran, beginnt zu erblühen, trägt Früchte und stirbt irgendwann ab, um wieder erneut zu keimen. Diesem Zyklus von Werden und Vergehen unterliegt auch der Mensch. Die alten Chinesen beobachteten die Natur sehr genau und übertrugen ihre Erkenntnisse auf die Gesundheit des Menschen. Sie erkannten, dass der Mensch nur dann dauerhaft gesund und stark war, wenn sich sein Körper und seine Seele in einem harmonischen Gleichgewicht befanden.

Krankheiten wurden somit als Ungleichgewicht verstanden. Als Disharmonie von Energien im Körper, verursacht durch verschiedene äußere und/oder innere Einflüsse. Um erst gar kein Ungleichgewicht entstehen zu lassen, spielte und spielt die Prävention in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit jeher eine herausragend wichtige Rolle. Die Ernährung gilt hierbei (neben Bewegung und viel frischer Luft)  als wichtigster Grundpfeiler für ein langes, gesundes Leben.

Aus dieser Überzeugung heraus entwickelten sich in der chinesischen Diätetik einige Grundprinzipien:*

  • Frühstücke! (am besten warm und gekocht, wie z.B. Breimahlzeiten oder Suppen)
  • Gekochte Speisen sind bekömmlicher als Rohkost und Brotmahlzeiten
  • Frisch gekocht ist besser als aufgewärmt
  • Milchprodukte, eisgekühlte Speisen und Getränke schwächen die Verdauung und sollten gemieden werden
  • Raffinierter Zucker, Weißmehlprodukte, Industrienahrung und Convenience Produkte sollten vermieden werden
  • Jeder Bissen sollte gut gekaut werden
  • Trinke nicht ZU den Mahlzeiten, sondern DAZWISCHEN
  • Nimm dir fürs Essen ausreichend Zeit

*Diese Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit

Grundprinzipien des 5-Elemente-Kochens

Neben den Elementen und ihren Entsprechungen hat jede Zutat auch „thermische“ Wirkung. Das bedeutet, es gibt „wärmende“ und „kühlende“ Zutaten, die den Körper entsprechend erwärmen oder abkühlen. Das hat übrigens nichts damit zu tun, ob die Speise warm oder kalt gegessen wird. Ausschlaggebend ist alleine, wie die Substanz sich im Körper verhält.

So wirkt beispielsweise Grüner Tee leicht kühlend, obwohl er heiß getrunken wird. Kirschen oder Marillen wiederum wirken leicht wärmend, obwohl sie eigentlich „kalt“ gegessen werden.

Eine Sonderstellung in der TCM nehmen Milchprodukte ein: sie werden als kalt eingestuft und sollten daher gemieden werden, da sie den Körper stark abkühlen und dadurch Dysbalancen entstehen können (die alten Chinesen nennen dies „Schleim“). Dabei spreche ich natürlich nicht vom Schuss Milch im morgendlichen Kaffee, sondern von den großen Mengen an Milchprodukten, Joghurts, Käse etc., die viele von uns heute täglich verzehren.

Weitere Grundlagen sind keineswegs neu, aber dennoch wichtig:

  • Koche soweit als möglich mit qualitativ hochwertigen Produkten (Bio ist besser als Massenproduktion, auch wenn es etwas teurer ist)
  • Koche mit regionalen und saisonalen Produkten (heimisch ist besser als exotisch)
  • Koche der Jahreszeit angepasst (wärmende Gerichte im Winter, kühlende Gerichte im Sommer)
  • In jedem Gericht sollte jedes Element wenigstens einmal vertreten sein (selbst wenn es nur eine Prise ist)

Was ich selbst noch beobachten konnte:

  • Gib Gewürze nicht auf einmal in dein Gericht, sondern auf zwei-, dreimal. Es gibt für mich keine wissenschaftliche Erklärung, aber ich habe festgestellt, dass Gerichte „runder“ schmecken, wenn man Gewürze in mehreren Etappen in das Gericht gibt und dazwischen immer wieder gut umrührt.

Und last but not least der wichtigste Grundsatz:

  • Koche mit Liebe und Hingabe! (Es mag abgedroschen, ja vielleicht sogar dumm klingen, doch mit Hingabe zu Kochen verändert nach meiner Erfahrung den Geschmack und die Bekömmlichkeit von Mahlzeiten. Auch hierfür habe ich leider keine logische Erklärung, sondern nur die Beobachtungen aus meiner eigenen Kochpraxis)

Wer sich näher für die Theorie und Grundlagen der 5-Elemente-Lehre interessiert, sei auf die ausgezeichnete Fachliteratur zu diesem Thema verwiesen. Es gibt bereits zahlreiche Bücher zu diesem Thema. Besonders detailliert ist das Grundlagenwerk von Barbara Temelie & Beatrice Trebuth: Ernährung nach den 5 Elementen